Geld für das Löschen negativer Blog-Beiträge
Die Deutschen sind ja hin und wieder gerne am rumnölen. Damit Geld zu verdienen, ist so eine gute Idee, da bleiben sicher nicht mal die Augen von gestandenen Satirikern trocken. Ich glaube, in den letzten Tagen saßen zahlreiche PR- und Werbeleute weinend in ihren Büros. In Embryostellung und mit Daumen im Moment.
Verdienen wir uns dumm und dämlich, weil alle rummeckern. Patrick Gruban hatte diese Idee. Unfreiwillig. Er hatte vor einigen Jahren einen Artikel über einen Betrieb auf seiner Seite veröffentlicht. Ein Artikel, der sich positiv äußerte. Die Kommentare seiner Kunden waren jedoch negativ. Also kontaktierte man den Herrn Gruban und zeigte ihm zwei Alternativen auf:
- Ein Abmahnungsgeplänkel mit Anwälten.
Aber warum? Der Artikel war ja positiver Natur. Es ging um die negativen Kommentare, die allerdings nach Grubans Aussage nicht verleumdend waren.
- Eine Ausgleichszahlung.
Ja. Das treibt erstmal jedem die Tränen in die Augen. Das ist das perfekte Geschäftsmodell für kommunikative Architektur. Anarchitektur, wohl eher. Man gibt dir also Geld dafür, dass du negative Stimmen in deinen Beiträgen unterdrückst bzw. den Artikel ganz entfernst. Wer erpresst hier eigentlich wen? Großartiges Konzept. Da werden Hosen mit der Kneifzange geschlossen.
Einen Satz werden wir uns wohl besonders einrahmen müssen:
»Statt für positive Berichterstattung zu bezahlen und sein Geschäft in Ordnung zu bringen, zahlt der Unternehmer für das Löschen von negativer Meinung. Ich denke negative Beiträge in Blogs gibt es dazu genug und auch die Servicequalität in deutschen Geschäften lässt so ein Modell auf breiter Fläche als möglich erscheinen. Vor dem Hintergrund der kostenpflichtigen Abmahnung ein attraktives Modell für viele Blogger«
Man kann sich noch nicht im Klaren darüber sein, wem jetzt ein In your face gebührt. Meckerer können also verdienen. Oder Leute, die Meckerer um sich scharen. Das können Blogger ja sehr gut. Die erste AG, mit diesem Geschäftsmodell, könnte schon in einigen Jahren durchstarten. Wer hätte gedacht, dass man so Geld verdienen kann. Bevor jetzt alle zum Patentamt rennen, halten wir für einen Moment inne und applaudieren ein bisschen für diesen Wahnsinn.
