Können Social News Portale überhaupt relevante Nachrichten zur Verfügung stellen?
Können Social News Portale überhaupt relevante Nachrichten zur Verfügung stellen, wenn diese von Bürgern - und nicht von professionellen Journalisten - aufgearbeitet und zugänglich gemacht werden? Gerade was Nachrichten im web und damit zwangsläufig im web2.0 angeht, ist eine Frage nach einer Relevanz nicht ganz einfach. Es muss zwangsläufig mehrere Relevanzen geben, was den Umgang mit Informationen angeht.
Der Bürgerjournalismus erzeugt genauso Nachrichten wie der professionelle Journalismus und wendet sich an dasselbe Publikum: den Bürger. Regional gesehen ist diese Tatsache eine ganz andere Liga. Da stellt der Bürgerjournalismus eine ernsthafte Alternative zum hiesigen klassischen Angebot. Es geht also um den Wert der Nachricht. Wenn im Niemandsland ein weißlackierter Holzzaun zusammenbricht, interessiert das niemanden außerhalb des Niemandlands. Diese Nachricht ist regional. Wenn jemand aus dem Niemandsland über die neue Version von Firefox berichtet sieht das anders aus, diese Nachricht hat eine höhere Relevanz, da sie auch außerhalb des Niemandslands Leser finden wird. Diese Nachricht ist nicht regional. Für drei Leser aus dem Niemandslands könnte die Schreckensbotschaft vom zusammengebrochenen Zaun genauso relevant sein, wie der neue Testbericht über den neuen Firefox-Browser.
Beide Nachrichten, der Zaun und der Testbericht, können relevant sein. Es sind unterschiedliche Relevanzen. Auf dem YIGG-Blog ist eine grundrichtige Frage nachzulesen:
»Ist das Ergebnis eines Social News Portals - die Startseite - ein Abbild dessen, was die Nutzer als relevant empfinden?«
Hin und wieder wird ja durch die Benutzer selbst manipuliert und hochgevotet, womit eine Messung von wirklicher Relevanz auf Social News Portalen teils nicht möglich ist. Das Problem besteht vor allem darin, dass professionell erstellte Nachrichten im Netz relevant sind, weil sie oftmals vertrauenswürdig sind aufgrund der Professionalität dahinter. Dass es heute leider nicht mehr ganz so ist (da auch der professionelle Journalismus schneller und damit anfälliger für Schlampereien wird), hat wenig Auswirkung auf den Leser. Dieser wird eine professionelle Information mit Sicherheit höher bewerten als eine nicht-professionelle. Diese Aussage soll keine Wertung über den Qualitätsgehalt der Nachricht sein.
Wenn Nutzer und Bürger selbst Nachrichten erstellen können, verschiebt sich dieses Relevanzgefüge natürlich um Welten.
Man erinnere sich an den sich unangenehm anfühlenden Artikel von taz.de, indem man das Nachrichtenportal MYHEIMAT dafür indirekt kritisierte („www.heile-welt.de”), dass die Nutzer keinerlei kritische Beiträge leisten. Wen hat man hier kritisiert? Das Portal? Die Leser? DIE Leser, die ebenso bei taz.de lesen könnten? Das Problem an kostenlos zu Verfügung gestellten Nachrichten über Gartenzäune, regionale Brunnenfeste oder aber technische Berichte, politische Berichte und Sonstiges ist, dass man sich schnell durchklicken kann. In einem kostenpflichtigen Social News Portal wäre das Relevanzgefüge schon wieder ein ganz anderes.
Social News Portale sind eine mediale Alternative für Leser zur professionellen Berichterstattung. Das Internet ist genauso Entertainment wie der Fernseher. Fast jeder hat einen zuhause stehen. Im Fernsehen dominieren Fantasien und Unterhaltung. Eben eine heile Welt, die einem nichts anhaben kann. Können wir von Relevanz sprechen? Auf einem Social News Portal wird der Artikel Junge Hausfrauen aus dem Niemandsland bauen splitternackt stabilere Zäune weit vor Verschollen geglaubte Ölgemälde von Max Ernst wieder aufgetaucht stehen. Votetechnisch.
Die Startseite eines Social News Portal wird also sicher nicht allzu viel darüber aussagen, was Leser als relevant empfinden, höchstens wie ihr Klickverhalten ist. Dieses sagt jedoch nichts über die Nachricht an sich aus.
