Monatsarchiv für August 2008

Können Social News Portale überhaupt relevante Nachrichten zur Verfügung stellen?

Geschrieben: am 12.08.2008 um 16:02 Uhr
Autor: Newskraft

Können Social News Portale überhaupt relevante Nachrichten zur Verfügung stellen, wenn diese von Bürgern - und nicht von professionellen Journalisten - aufgearbeitet und zugänglich gemacht werden? Gerade was Nachrichten im web und damit zwangsläufig im web2.0 angeht, ist eine Frage nach einer Relevanz nicht ganz einfach. Es muss zwangsläufig mehrere Relevanzen geben, was den Umgang mit Informationen angeht.

Der Bürgerjournalismus erzeugt genauso Nachrichten wie der professionelle Journalismus und wendet sich an dasselbe Publikum: den Bürger. Regional gesehen ist diese Tatsache eine ganz andere Liga. Da stellt der Bürgerjournalismus eine ernsthafte Alternative zum hiesigen klassischen Angebot. Es geht also um den Wert der Nachricht. Wenn im Niemandsland ein weißlackierter Holzzaun zusammenbricht, interessiert das niemanden außerhalb des Niemandlands. Diese Nachricht ist regional. Wenn jemand aus dem Niemandsland über die neue Version von Firefox berichtet sieht das anders aus, diese Nachricht hat eine höhere Relevanz, da sie auch außerhalb des Niemandslands Leser finden wird. Diese Nachricht ist nicht regional. Für drei Leser aus dem Niemandslands könnte die Schreckensbotschaft vom zusammengebrochenen Zaun genauso relevant sein, wie der neue Testbericht über den neuen Firefox-Browser.

Beide Nachrichten, der Zaun und der Testbericht, können relevant sein. Es sind unterschiedliche Relevanzen. Auf dem YIGG-Blog ist eine grundrichtige Frage nachzulesen:

»Ist das Ergebnis eines Social News Portals - die Startseite - ein Abbild dessen, was die Nutzer als relevant empfinden?«

Hin und wieder wird ja durch die Benutzer selbst manipuliert und hochgevotet, womit eine Messung von wirklicher Relevanz auf Social News Portalen teils nicht möglich ist. Das Problem besteht vor allem darin, dass professionell erstellte Nachrichten im Netz relevant sind, weil sie oftmals vertrauenswürdig sind aufgrund der Professionalität dahinter. Dass es heute leider nicht mehr ganz so ist (da auch der professionelle Journalismus schneller und damit anfälliger für Schlampereien wird), hat wenig Auswirkung auf den Leser. Dieser wird eine professionelle Information mit Sicherheit höher bewerten als eine nicht-professionelle. Diese Aussage soll keine Wertung über den Qualitätsgehalt der Nachricht sein.

Wenn Nutzer und Bürger selbst Nachrichten erstellen können, verschiebt sich dieses Relevanzgefüge natürlich um Welten.

Man erinnere sich an den sich unangenehm anfühlenden Artikel von taz.de, indem man das Nachrichtenportal MYHEIMAT dafür indirekt kritisierte („www.heile-welt.de”), dass die Nutzer keinerlei kritische Beiträge leisten. Wen hat man hier kritisiert? Das Portal? Die Leser? DIE Leser, die ebenso bei taz.de lesen könnten? Das Problem an kostenlos zu Verfügung gestellten Nachrichten über Gartenzäune, regionale Brunnenfeste oder aber technische Berichte, politische Berichte und Sonstiges ist, dass man sich schnell durchklicken kann. In einem kostenpflichtigen Social News Portal wäre das Relevanzgefüge schon wieder ein ganz anderes.

Social News Portale sind eine mediale Alternative für Leser zur professionellen Berichterstattung. Das Internet ist genauso Entertainment wie der Fernseher. Fast jeder hat einen zuhause stehen. Im Fernsehen dominieren Fantasien und Unterhaltung. Eben eine heile Welt, die einem nichts anhaben kann. Können wir von Relevanz sprechen? Auf einem Social News Portal wird der Artikel Junge Hausfrauen aus dem Niemandsland bauen splitternackt stabilere Zäune weit vor Verschollen geglaubte Ölgemälde von Max Ernst wieder aufgetaucht stehen. Votetechnisch.

Die Startseite eines Social News Portal wird also sicher nicht allzu viel darüber aussagen, was Leser als relevant empfinden, höchstens wie ihr Klickverhalten ist. Dieses sagt jedoch nichts über die Nachricht an sich aus.

Kategorie: Journalismus 2.0
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Geld für das Löschen negativer Blog-Beiträge

Geschrieben: am 08.08.2008 um 16:21 Uhr
Autor: Newskraft

Die Deutschen sind ja hin und wieder gerne am rumnölen. Damit Geld zu verdienen, ist so eine gute Idee, da bleiben sicher nicht mal die Augen von gestandenen Satirikern trocken. Ich glaube, in den letzten Tagen saßen zahlreiche PR- und Werbeleute weinend in ihren Büros. In Embryostellung und mit Daumen im Moment.

Verdienen wir uns dumm und dämlich, weil alle rummeckern. Patrick Gruban hatte diese Idee. Unfreiwillig. Er hatte vor einigen Jahren einen Artikel über einen Betrieb auf seiner Seite veröffentlicht. Ein Artikel, der sich positiv äußerte. Die Kommentare seiner Kunden waren jedoch negativ. Also kontaktierte man den Herrn Gruban und zeigte ihm zwei Alternativen auf:

  1. Ein Abmahnungsgeplänkel mit Anwälten.

Aber warum? Der Artikel war ja positiver Natur. Es ging um die negativen Kommentare, die allerdings nach Grubans Aussage nicht verleumdend waren.

  1. Eine Ausgleichszahlung.

Ja. Das treibt erstmal jedem die Tränen in die Augen. Das ist das perfekte Geschäftsmodell für kommunikative Architektur. Anarchitektur, wohl eher. Man gibt dir also Geld dafür, dass du negative Stimmen in deinen Beiträgen unterdrückst bzw. den Artikel ganz entfernst. Wer erpresst hier eigentlich wen? Großartiges Konzept. Da werden Hosen mit der Kneifzange geschlossen.

Einen Satz werden wir uns wohl besonders einrahmen müssen:

»Statt für positive Berichterstattung zu bezahlen und sein Geschäft in Ordnung zu bringen, zahlt der Unternehmer für das Löschen von negativer Meinung. Ich denke negative Beiträge in Blogs gibt es dazu genug und auch die Servicequalität in deutschen Geschäften lässt so ein Modell auf breiter Fläche als möglich erscheinen. Vor dem Hintergrund der kostenpflichtigen Abmahnung ein attraktives Modell für viele Blogger«

Man kann sich noch nicht im Klaren darüber sein, wem jetzt ein In your face gebührt. Meckerer können also verdienen. Oder Leute, die Meckerer um sich scharen. Das können Blogger ja sehr gut. Die erste AG, mit diesem Geschäftsmodell, könnte schon in einigen Jahren durchstarten. Wer hätte gedacht, dass man so Geld verdienen kann. Bevor jetzt alle zum Patentamt rennen, halten wir für einen Moment inne und applaudieren ein bisschen für diesen Wahnsinn.

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Blog-Abmahnungen

Geschrieben: am 05.08.2008 um 09:44 Uhr
Autor: Newskraft

Das Amtsgericht Frankfurt/Main hat sich nun eingeschaltet. Blog- und Forenadministratoren wurden von der Verbindlichkeit freigesprochen, Kommentare vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Rechtskonformität hin zu prüfen, so spiegel-online. Und weiter:

» Im konkreten Fall ging es um ehrverletzende Äußerungen eines Benutzers gegenüber einem anderen, der darauf den Blogbetreiber verklagte. Zu Unrecht, so die Richterin, denn der Blogbetreiber habe die strittige Äußerung weder selber gemacht noch sich daran beteiligt. Die generelle Pflicht zur Vorabzensur von Leser-Kommentaren würde die Meinungsfreiheit in unzulässiger Weise einengen«

Der Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit gilt also auch für Blogs und Foren.

Schön, dass es Manchen auch so langsam in den Sinn kommt, dass man zu lange Sklave der Obsoleszenz medialer Auffassung war. In einer öffentlichen Diskussion - vor allem unter deutschen Bloggern - geht es nun mal nicht zimperlich zu. Den Betreiber eines Blogs für verbalen Krieg haftbar zu machen, für den er nichts kann, war immer schon fragwürdig.

In dem Urteil gibt es jedoch einen kleinen Haken:

»Allerdings zog die Juristin eine deutliche Grenze: den entsprechenden Schutz würden nur nichtkommerzielle Foren und Blogs genießen, gewerbliche Meinungsplattformen sind von dem Urteil nicht erfasst (AZ 31 C 2575/07-17)«

Ach so. Was ist eine gewerbliche Meinungsplattform? Dass genau zu definieren, ist wieder so ein großer Berg. Da fällt man ein Urteil - das inhaltlich den Bloggern den Schweiß von der Stirn wischt - und es gibt weitere Rätsel auf.

Kategorie: Journalismus 2.0
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