Vertrauen in was eigentlich?

Es ist ganz logisch, dem Wahrheitsanspruch von Blogs Misstrauen entgegen zu bringen (im Bezug auf deren Inhalt, nicht das Medium an sich). Zumindest in Deutschland. Da stellt sich jedoch die Frage, inwiefern der Rezipient den klassischen Medien Vertrauen kann?

Nur jeder fünfte Deutsche liest Blogs überhaupt mal. Das sind also knapp 16,4 Millionen Leser die nach einigen Angaben knapp 200 000 aktive Blogs verfolgen könnten (Vgl. spiegel online). Die deutsche Blogosphäre ist jedoch nicht mal ansatzweise so politisch motiviert, wie beispielsweise die amerikanische. Woher soll das Vertrauen kommen?

Auf deutschen Blog-Lesungen tummeln sich neben den Bloggern auch Interessierte herum. Dabei gibt es viele Punkte, die bemerkenswert sind, wobei ich nur einen nennen möchte:

Viele Nicht-Blogger, die solche Events besuchen, kennen das publizistische Instrument Blog gar nicht. Welchen Content sollen diese Menschen dann kennen. Wo soll das Vertrauen dann herkommen. Solche Menschen gehen tagtäglich mit dem Internet um. Fraglich, ob sie sich ihre Informationen aus dem web holen. Die Nutzgewohnheiten beschränken sich auf Weniges. Eigenartigerweise bewegen sich solche Menschen nicht selten in Social-Communities. Sie kommunizieren via www. Es ist also nicht so, dass sie kein Vertrauen gegenüber Blog-Content haben, vielmehr können die meisten gar nichts kategorisieren. Das liegt möglicherweise daran, dass die deutsche Blogosphäre (noch) kein richtiges Profil hat. Das liegt daran, dass das www für viele noch das ist, was für andere das Fernsehen ist.

Das Fernsehen ist in den seltensten Fällen informierend. Es ist eine Manege für Unterhaltung, die selbst vor Tagesnachrichten nicht Halt macht und eine geringe Halbwertszeit hat, weil kaum etwas jemanden erreicht, dass in irgendeiner Form Einfluss auf die Lebensweise des Rezipienten hat. Blogs sind in der Hinsicht wesentlich kritischer. In Amerika haben sie Einfluss, in Deutschland eben (noch) nicht.

Um in irgendeiner Form Vertrauen zu einem Medium wie einem Blog zu gewinnen, bedarf es einem Profil. Journalisten, die bei einer Zeitung arbeiten, genießen eher das Vertrauen, als Mr. X aus Kleinkleckersdorf. Es geht also um die Menschen dahinter. Auch. Wichtiger ist jedoch das Medium an sich. Man vertraut dem Medium. Man bezahlt für eine Tageszeitung. Journalisten kommen an Politiker ran, Journalisten bleiben Informationen (meistens) nicht verwährt. Das ist eine Grundlage um Vertrauen aufzubauen. Vertrauen allerdings mit Wahrheitsanspruch gleichzusetzen ist in hohem Maße seltsam.

Dass das Printmedium beginnt zu schwächeln, heißt ja nicht zwangsläufig, dass es auch abgelöst wird bzw. dass das Vertrauen in dieses verloren geht. Wir befinden uns in einer Phase der Neustrukturierung, in der alles chaotisch abläuft. Und niemand interessiert sich wirklich für die Bedürfnisse des „Lesers”. Man streitet lieber über den medialen Umbruch und die möglichen Auswirkungen und über die Frage des Vertrauens…

2 Reaktionen zu “Vertrauen in was eigentlich?”

  1. Nachrichtenmagazin im Sommerloch: Der Spiegel legt sich mit Bloggern an - Alter Falter!

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