Blogs: Seriosität und Relevanz

Die Frage nach der Relevanz von Blogs ist im Grunde ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite, steht eine aufgeladene und nachvollziehbare Diskussion auf der Tagesordnung: die überragende Mehrheit der Blogs liefert keine relevanten Inhalte. In einem Interview, äußerte sich Rainer Meyer, ein Journalist, der unter dem Pseudonym Don Alphonso zwei Weblogs betreibt (Blogbar, Rebellen ohne Markt), auf die Frage, ob Bloggen und Qualitätsjournalismus ein Widerspruch sei, folgendermaßen:

»Bloggen ist das Befüllen des Internets mit Text. Der Text kann so und so sein.«

Eine diplomatische Antwort. Eine gute und richtige Antwort. Sofort schießt einem das C&P-Verfahren in den Kopf, dicht gefolgt von einem Naserümpfen. Klar ist, was mit so und so gemeint war. Nicht klar ist die andere Seite der Medaille: Können Blog-Inhalte überhaupt relevant werden, wenn man das publizierende Instrument Blog nicht als solches begreift und akzeptiert? Oder anders gefragt, wenn man Bloggern relevante Inhalte verweigert, wo soll der relevante Content herkommen? Den kann man sich natürlich auch selbst erarbeiten, ist ja nicht so als hätten wir in den heutigen Tagen keine Möglichkeit an Informationen zu kommen. Hier geht es aber um Informationen aus erster Hand, welche Bloggern vorenthalten werden. Wie im folgenden Fall.

Auf die Anfrage bezüglich eines Interviews mit einem bekannten deutschen Politiker, welcher sich mehrfach öffentlich zum kontroversen Thema der Killerspiele geäußert hatte, bekam Michael Foertsch eine recht kühle Absage, obwohl (oder eben weil) der Schwerpunkt seines Blogs auf den Themen Video- und Computerspiele liegt.

Die Begründung für die Absage [via Robert Basic] liest sich wie folgt:

»(…) leider müssen wir Ihre Interviewanfrage ablehnen (…) Herr [Name eines bekannten Politikers] behält es sich vor, ausschließlich mit ernsthaften und seriösen Medienvertretern zusammenzuarbeiten.«

Gibt es im Internet für manche Politiker überhaupt seriöse Medienvertreter? Liegt es daran, dass viele Exemplare generell keine Beziehung zum www haben? Vielleicht halten entsprechende Politiker ja auch Abstand, weil sie wissen, dass das Bloggen nicht nur einen Autor, sondern auch viele Kommentatoren beinhaltet. Und unter diesem Gesichtspunkt sollte man die Frage noch mal stellen, inwiefern die Reichweite von Blogs nicht relevant sein kann. Die Frage nach der Relevanz des Blog-Inhalts: diskutabel. Die Frage nach der Relevanz der Reichweite von Blog-Content: bei einigen Blogs indiskutabel. Die Reichweite ist enorm.

»(…) Trotz des Potentials das Blogs aufweisen, ist es so, dass man nur selten Beiträge in deutschen Blogs findet, die ein(en) Geschehen/Missstand nicht nur kommentieren, sondern in denen auch eine betroffene bzw. betreffende Person zur Wortmeldung heran geschleift wird«

So wird ein Schuh draus. Blogs zitieren andere Blogs und andere Medien, bzw. ziehen diese als Informationsquelle heran. Andersrum kommt das wesentlich seltener vor. Oder fast nie. Fragt sich, ob in diesem Dilemma die Definition eines seriösen Medienvertreters schlummert? Die Ernsthaftigkeit mancher Blogs ist in einiges Etagen entweder noch nicht angekommen, oder aber man blockt Blogs, weil man mit diesen nichts anfangen kann. Wo wir wieder bei der Frage wären, geht es eigentlich um die Relevanz des Inhalts oder um die Relevanz der Reichweite und wie viel von den beiden Komponenten in die Definition eines seriösen Medienvertreters gehört.

Eine Reaktion zu “Blogs: Seriosität und Relevanz”

  1. Newskraft-Blog » Blog Archiv » Blogs als Denkanstöße

    [...] Wörtchen dazu zu verlieren. Blogs als ein nicht mehr ignorierbares Medium anzuerkennen, ist zwar noch nicht überall angekommen - was mitunter sicher auch an der schwach ausgeprägten Diskussionskultur in Deutschland liegt - [...]

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